Tim Cortinovis - Keynote Speaker AI Sales, Future of Sales & Agentic AI

Agenten im Einsatz

Was KI-Agenten heute schon in Unternehmen verändern.

Die neue operative Schicht zwischen Mensch und Prozess

Wenn Sie nur eine Minute haben

KI-Agenten verlassen die Seitenleiste. Sie wandern in den operativen Kern von Unternehmen: in Finance, HR, Einkauf, Gebäudebetrieb und industrielle Abläufe. Dort beantworten sie nicht mehr nur Fragen. Sie koordinieren Aufgaben, greifen auf mehrere Systeme zu und führen Handlungen innerhalb definierter Grenzen aus.

Damit verschiebt sich die entscheidende Frage. Nicht mehr: Welches Modell ist leistungsfähiger? Sondern: Welcher Agent darf auf welche Daten zugreifen, welche Entscheidungen vorbereiten und wann muss ein Mensch eingreifen?

Geschäftsführer, Funktionsleiter und Prozessverantwortliche sollten jetzt aufmerksam werden. Wer Agenten weiterhin als zusätzliches Tool behandelt, unterschätzt ihre Wirkung. Es entsteht eine neue operative Schicht zwischen Mensch und Prozess. Wer diese Schicht nicht selbst gestaltet, übernimmt später die Architektur eines Plattformanbieters.

Diese Entwicklungen sollten Sie nicht übersehen

Google bringt einen universellen Gemini-Agenten in die Unternehmensarbeit

Was passiert ist

Google Cloud stellt einen Gemini-Agenten vor, der langfristige Aufgaben und Multi-Agenten-Workflows über Workspace, Microsoft 365, Slack und weitere Unternehmenssysteme hinweg ausführen kann. Eigene Agentenidentitäten, Berechtigungen, Audit-Trails und Kostenkontrollen sollen den Einsatz steuerbar machen.

Warum das wichtig ist

Hier entsteht nicht einfach ein weiterer Assistent. Google positioniert eine übergreifende Ausführungsebene für Arbeit. Der strategische Wert liegt in der Verbindung unterschiedlicher Systeme. Der Agent soll dort handeln, wo heute Menschen Informationen übertragen, Aufgaben nachhalten und Übergaben organisieren.

Wo der Einsatz konkret wird

Relevant werden länger laufende Aufgaben, systemübergreifende Recherche und koordinierte Abläufe, an denen mehrere spezialisierte Agenten beteiligt sind. Genau diese Übergaben verursachen in Unternehmen häufig Verzögerungen und manuelle Nacharbeit.

Wer dadurch Hebel bekommt

Operations-Teams und Funktionsverantwortliche mit fragmentierten Systemlandschaften gewinnen einen neuen Ansatzpunkt. Besonders wertvoll wird er dort, wo Arbeit regelmäßig zwischen Kommunikation, Dokumenten und operativen Systemen wechselt.

Wer jetzt unter Druck gerät

Unter Druck geraten isolierte Automatisierungen und Anbieter, die nur einen einzelnen Arbeitsschritt abdecken. Auch IT-Strategien, die Anwendungen getrennt verwalten, müssen umdenken. Agenten arbeiten nicht in Systemgrenzen. Governance darf es deshalb ebenfalls nicht tun.

Honeywell verbindet Agenten mit Gebäuden und Industrieanlagen

Was passiert ist

Honeywell startet gemeinsam mit NVIDIA und Dell die Plattform Forge Cognition. Sie verbindet KI-Agenten mit digitalen Zwillingen für Gebäude- und Industrieoperationen. In einem NVIDIA-Pilotprojekt wurden laut Honeywell bis zu 90 Prozent weniger unnötige Alarme erreicht und ein Energieeinsparpotenzial von bis zu 10 Prozent identifiziert.

Warum das wichtig ist

Agenten greifen damit über Wissensarbeit hinaus. Sie bewerten Zustände in physischen Umgebungen, simulieren Auswirkungen und unterstützen operative Entscheidungen. Das ist der Schritt vom digitalen Assistenten zum Bestandteil eines technischen Betriebssystems.

Wo der Einsatz konkret wird

Der Nutzen zeigt sich bei Alarmbewertung, Gebäudeüberwachung, Energieanalyse und der Simulation industrieller Abläufe. Der Agent reduziert nicht nur Aufwand. Er hilft, relevante Signale aus einer großen Menge technischer Meldungen herauszufiltern.

Wer dadurch Hebel bekommt

Facility Management, technische Betriebsführung, Energieverantwortliche und industrielle Operations-Teams können schneller priorisieren. Der größte Hebel entsteht dort, wo viele Sensordaten vorhanden sind, aber menschliche Aufmerksamkeit knapp ist.

Wer jetzt unter Druck gerät

Starre Alarmregeln und rein reaktive Betriebsmodelle verlieren an Wert. Gleichzeitig bleibt menschliche Kontrolle zentral. Die Technologie kann Entscheidungen vorbereiten und optimieren. Sie macht Verantwortlichkeit im physischen Betrieb aber nicht überflüssig.

SAP bringt Joule in Finance, HR und Einkauf in die Breite

Was passiert ist

SAP meldet 110.000 interne Nutzer von Joule Work und eine Produktivitätssteigerung von 20 Prozent in Finance, HR und Einkauf. Joule Assistants sollen operative Aufgaben mit bestehenden Berechtigungen, Audit-Trails und steuerbarer Autonomie ausführen.

Warum das wichtig ist

Die Meldung zeigt, wo Agenten zuerst skalieren: nicht als freischwebende Innovation, sondern eingebettet in etablierte Prozesse, Rollen und Zugriffsrechte. Bestehende Unternehmenssoftware wird damit von einem Aufzeichnungssystem zu einer Umgebung, in der Arbeit ausgeführt wird.

Wo der Einsatz konkret wird

Betroffen sind administrative und operative Aufgaben in Finance, Personalwesen und Beschaffung. Entscheidend ist die Kombination aus Prozesskontext, Berechtigungen und nachvollziehbaren Handlungen.

Wer dadurch Hebel bekommt

Funktionsleiter mit hohem Transaktionsvolumen können Routinen neu verteilen. Mitarbeitende müssen nicht jeden Schritt selbst ausführen, behalten aber die Verantwortung für Ausnahmen und kritische Entscheidungen.

Wer jetzt unter Druck gerät

Unter Druck geraten Prozesse, die nur deshalb manuell bleiben, weil sie über Jahre so organisiert wurden. Auch reine Effizienzprogramme greifen zu kurz. Wer Agenten einführt, ohne Rollen und Freigaben neu zu ordnen, digitalisiert lediglich die alte Arbeitsteilung.

Finanzaufsicht fordert klare Eingriffspunkte für Menschen

Was passiert ist

Die finalen Leitlinien des Financial Stability Board verlangen bei risikoreichen Agentenanwendungen intensivere menschliche Aufsicht. Unternehmen sollen risikobasierte Auslöser definieren, bei denen ein Agent vor einer Handlung menschliche Genehmigung einholen muss.

Warum das wichtig ist

Governance wird damit konkret. „Der Mensch bleibt verantwortlich“ reicht nicht mehr. Unternehmen müssen festlegen, an welchem Punkt der Mensch tatsächlich eingreift. Verantwortung braucht einen Trigger, einen Owner und einen dokumentierten Entscheidungsweg.

Wo der Einsatz konkret wird

Relevant ist das überall dort, wo Agenten Handlungen mit erhöhtem Risiko vorbereiten oder ausführen. Je größer die mögliche Wirkung, desto klarer müssen Freigabe, Eskalation und Protokollierung gestaltet sein.

Wer dadurch Hebel bekommt

Risk, Compliance, interne Revision und Prozessverantwortliche erhalten eine neue Gestaltungsaufgabe. Gute Governance kann Einführung beschleunigen, weil Grenzen vor dem Go-live geklärt werden.

Wer jetzt unter Druck gerät

Unter Druck geraten pauschale Freigaben und unklare Pilotprojekte. Wer erst nach einem Fehler fragt, wer zuständig war, hat kein Agentensystem gebaut. Er hat Verantwortung ausgelagert.

Der Produktionseinsatz wächst – und mit ihm die Kontrollkosten

Was passiert ist

Eine G2-Befragung unter 1.019 B2B-Entscheidern zeigt: 66 Prozent setzen Agenten produktiv ein. Gleichzeitig verbrauchen Aufsicht und Nacharbeit bei 45 Prozent der Befragten mehr als ein Viertel der erwarteten Produktivitätsgewinne.

Warum das wichtig ist

Die Engstelle ist nicht mehr nur technische Machbarkeit. Es ist Vertrauen im Betrieb. Ein Agent kann schnell arbeiten und trotzdem wirtschaftlich enttäuschen, wenn jeder Output vollständig geprüft werden muss.

Wo der Einsatz konkret wird

Die Zahlen betreffen produktive Agentenanwendungen, bei denen menschliche Kontrolle und Korrektur zum laufenden Aufwand werden. Dieser Aufwand gehört in die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Nicht als Randnotiz, sondern als echte Betriebskostenposition.

Wer dadurch Hebel bekommt

Unternehmen mit klaren Qualitätskriterien, begrenzten Einsatzfeldern und sauberen Feedbackschleifen können die Kontrollkosten senken. Sie messen nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Nacharbeit.

Wer jetzt unter Druck gerät

Unter Druck gerät die Vorstellung, ein erfolgreicher Pilot skaliere automatisch. Wenn Kontrolle proportional zum Volumen wächst, entsteht keine autonome Leistung. Es entsteht eine neue Form manueller Arbeit.

Was das für den Einsatz von KI-Agenten bedeutet

Das Muster der Woche ist eindeutig: Agenten werden zur operativen Infrastruktur. Google adressiert systemübergreifende Wissensarbeit. SAP verankert Agenten in Unternehmensprozessen. Honeywell bringt sie in physische Betriebsumgebungen. Gleichzeitig zeigen FSB und G2, dass Autonomie ohne Kontrollarchitektur teuer oder riskant wird.

Die zuerst betroffenen Prozesse haben drei Merkmale: viele wiederkehrende Übergaben, ausreichend digitale Daten und klare Grenzen für Entscheidungen. Finance, HR, Einkauf, Facility Management und industrielle Operations passen genau in dieses Profil.

Agenten sind deshalb mehr als ein weiteres KI-Tool. Ein Tool wartet auf Bedienung. Ein Agent erhält ein Ziel, nutzt Systeme und führt Arbeit über mehrere Schritte hinweg aus. Damit verschieben sich Rollen. Mitarbeitende bearbeiten weniger Einzelschritte. Sie definieren Ziele, prüfen Ausnahmen und übernehmen Entscheidungen an kritischen Punkten.

Der Vorsprung entsteht nicht durch maximale Autonomie. Er entsteht durch gut gestaltete Autonomie. Unternehmen gewinnen, wenn sie Agentenidentitäten, Berechtigungen, Audit-Trails, Kostenkontrollen und menschliche Freigaben als Teil des Prozessdesigns behandeln.

Achten Sie auf diese Signale in Ihrem Unternehmen

  • Signal 1: Sie testen Agenten, können aber keinen vollständigen Workflow benennen, den der Agent verbessern soll.
  • Signal 2: Sie messen eingesparte Minuten, aber nicht die Zeit für Prüfung, Korrektur und Eskalation.
  • Signal 3: Der Agent hat Zugriff auf Systeme, aber weder eine eigene Identität noch klar begrenzte Berechtigungen.
  • Signal 4: „Human in the Loop“ steht im Konzept, doch niemand hat definiert, welches Risiko eine Freigabe auslöst.
  • Signal 5: Für den Piloten gibt es einen Sponsor, aber für den laufenden Betrieb keinen Owner mit Kennzahl und Verantwortung.

Der strategische Schritt der Woche

Wenn ich diese Woche ein Unternehmen beim Einsatz von KI-Agenten beraten würde, wäre mein Vorschlag:

Wählen Sie einen echten End-to-End-Workflow in Finance, HR, Einkauf oder Operations. Zeichnen Sie jeden Systemwechsel, jede Entscheidung und jede Freigabe auf. Definieren Sie dann genau einen begrenzten Abschnitt, den ein Agent übernehmen darf.

Geben Sie diesem Agenten eine eindeutige Identität, minimale Berechtigungen, eine Wirkungskennzahl und eine Sicherheitskennzahl. Legen Sie außerdem fest, bei welchem Ereignis er stoppen und einen Menschen hinzuziehen muss. Messen Sie neben dem Ergebnis auch die Nacharbeit.

Nicht der autonomste Agent gewinnt. Der Agent gewinnt, dessen Arbeit im Alltag verlässlich anschlussfähig ist.

Schlussgedanke

KI-Agenten sind keine Beschaffungsfrage. Sie sind eine Führungs-, Systemdesign- und Organisationsfrage. Die Technologie kann Arbeit übernehmen. Sie kann aber nicht selbst entscheiden, wie Verantwortung in Ihrem Unternehmen verteilt sein soll.

Wer jetzt nur Tools einkauft, bekommt zusätzliche Komplexität. Wer Prozesse, Grenzen und menschliche Entscheidungspunkte gestaltet, baut eine neue operative Architektur. Genau dort entsteht der Vorsprung.

All the best
Tim Cortinovis

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